Die Phase eins unseres Wohnberatungs-Projektes mit dem Land Salzburg ist abgeschlossen! Von Juni bis Anfang Dezember 2018 waren wir damit beschäftigt die fünf Wohnberatungen, ausgewählt gemeinsam mit dem Land Salzburg, durchzuführen. Wir haben spannende Gespräche geführt, berührende Momente erlebt und von unseren ProjektteilnehmerInnen tiefe und persönliche Einblicke erhalten ins derzeitige Leben, wie auch in die Wünsche an die Zukunft.  Herzlichen Dank an alle Beteiligten für das große Vertrauen.

Unsere ProjektteilnehmerInnen

Insgesamt konnten wir 5 Beratungssettings durchführen. Davon wurden drei Beratungen innerhalb des Projektes mit dem Land Salzburg gemacht und zwei Beratungen im Rahmen der Prämierung durch das Zukunftslabor Salzburg, wo wir in der Kategorie Soziale Innovation ausgezeichnet wurden.

Hier eine kurze, anonymisierte Vorstellung unserer ProjektteilnehmerInnen:

  • Frau, Mitte 50, verheiratet, in einer Mietwohnung lebend. Sie geht davon aus, dass der Vermieter bald Eigenbedarf anmelden wird und deshalb Wohnungssuche und Umzug anstehen. Die Teilnehmerin wollte sich grundsätzliche Gedanken machen über das zukünftige Wohnen. Bewusst wollte sie die Beratung ohne Anwesenheit des Ehemannes haben.
  • Ehepaar, um die 70, in einem Haus lebend. Das Ehepaar hatte sich bereits eine barrierefreie Wohnung angeschafft für das Alter. Doch jetzt, da der Umzug immer näher kam, stellte die Frau fest, dass sie das Haus nicht verlassen möchte. In der Beratung ging es daher um Klärung, um zu Besuch kommende Enkelkinder, um Liebe zum Garten und um die Frage, ob ein Altwerden im Haus auch möglich sein könnte.
  • Frau, Mitte 70, in einem Haus lebend. Dieser Frau war das Haus nach dem Tod des Mannes zu groß geworden. Sie überlegte, ob sie in eine Wohnung wechseln soll oder doch im Haus, eventuell mit einer oder mehreren MitbewohnerInnen, bleiben soll. In der Beratung ging es daher im Möglichkeiten der Adaptierung des Hauses, aber auch um grundsätzliche Fragen zu gemeinschaftlichem Wohnen.
  • Familie bestehend aus einer Mutter (Anfang 60), zwei Töchtern (Mitte 30) und einem Enkelsohn. Alle leben, sehr beengt, in einem Haus. Die Familie plant das Dachgeschoss für die Mutter auszubauen. In der Beratung ging es vor allem um intergenerationelle Fragen, etwa um das zukünftige Zusammenleben der Familie, darum wie die Mutter/ Großmutter trotz Zusammenlebens zu ihrem Freiraum kommt. Die Beratung diente auch, um die bestehende Planung zu reflektieren.
  • Gruppe von vier Frauen jenseits der 60. Die Freundinnen wollen im Alter zusammen und doch getrennt leben und wohnen. Sie sind Mitglieder einer größeren Gruppe von Menschen, die ein gemeinschaftliches Wohnprojekt entwickeln wollen. In der Beratung ging es vor allem darum, den Freundinnen Raum zu geben, sich über die eigenen Bedürfnisse und Vorstellungen auszutauschen. Die Frauen wollten Klarheit erlangen für weitere Gespräche mit Bauträgern.

Der Beratungsprozess

Hier ein kurzer Überblick darüber, wie wir vorgegangen sind.

Modul 1: Auftragsklärung
In diesem ersten Gespräch haben wir, mit dem Instrument des Organisationskompass/Genuine ContactTM, mit den ProjektteilnehmerInnen den Beratungsauftrag geklärt und die Grundlagen zur Teilnahme am Projekt besprochen. Inhaltlich ging es bei diesem Termin um Hoffnungen und Ängste zum Projekt, um den tieferen Sinn der Beratung und die leitenden Werte, um die Übernahme von Verantwortung, die Einbindung weiterer Personen, sowie um den für das Projekt gedachten Zeitrahmen bezüglich des zukünftigen Wohnens, die Wohnvision und die Schritte zu deren Erreichung.

Modul 2: Diagnose und Wohnbiografie
Beim zweiten Gespräch haben wir mit den TeilnehmerInnen eine gemeinsame Begehung der bestehenden Wohnung gemacht und dabei eine detaillierte Analyse dieser Wohnung, mit Hilfe der 9 RAUM.WERTE, vorgenommen. Ziel war es das derzeitiges Wohnen kennenzulernen, sowie herauszufinden, wie die Räume und Wohnsituation konkret erlebt und eingeschätzt wird. Danach haben wir, mit Hilfe vorgegebener Fragen, die persönliche Wohnbiografie mit den TeilnehmerInnen erarbeitet und überlegt, welche Wirkung die erlebte Wohnbiografie auf bestehende und zukünftige Wohnwünsche und Wohnvorstellungen hat.

Modul 3: Vision und Älterwerden
Im dritten Modul haben wir die TeilnehmerInnen ermutigt ihre zukünftige Wohnvision zu beschreiben. Danach, erneut angeleitet durch Fragen, luden wir die TeilnehmerInnen ein, sich Gedanken zu machen über ihr Älterwerden und ihre Vorstellungen vom Leben im Alter. Zum Abschluss leiteten wir sie an, wiederum mit Hilfe der 9 RAUM.WERTE, ihr zukünftiges Wohnen im Alter zu entwickeln.

Der Abschluss – die Präsentation der Empfehlungen

In den letzten zwei Wochen haben wir unseren ProjektteilnehmerInnen unsere Empfehlungen vorgestellt, mit ihnen diskutiert und das Beratungsprojekt abgeschlossen. Unsere Empfehlungen beinhalten konkrete Vorschläge fürs zukünftige Wohnen ebenso, wie persönliche Spannungsfelder, die wir während der Beratung orten konnten und die, aus unserer Sicht, einer Entscheidung bedürfen, weil sie weiteren Planungen im Wege stehen.

Stimmen der ProjektteilnehmerInnen

„Durch die ganzen Gespräche, die wir geführt haben, ist mir viel klarer geworden, was ich will und was ich nicht will.”

„Es war total interessant, teilweise bewegend, dass man anhand konkreter Fragen Manches sich so bewusst macht.“

„Ich fand es sehr spannend. Es war für mich wirklich interessant festzustellen, was mir wichtig ist und was mich stört.“

„Es hat mich angeregt darüber nachzudenken, was ist wichtig, was ist unwichtig, auch darüber nachzudenken, was will man vielleicht noch einmal und warum will man das noch einmal.”

Wie geht es weiter mit dem Projekt?

Im Jänner werden wir die TeilnehmerInnen noch für eine abschließende Evaluation der Beratung bitten. Danach starten wir die Phase zwei des Projektes, die Entwicklung eines Leitfadens für Menschen, die ihr Wohnen fürs Alter vorbereiten wollen.

 

Alle Wohnberatungen erfolgreich abgeschlossen!